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1. Szafarnia und Fryderyk-Chopin-Straße.

Szafarnia ist ein Dorf in der Nähe von Golub-Dobrzyń, in dem 1824 und 1825 Fryderyk Chopin im Gutshof von Dziewanowski seine Sommerferien verbrachte. Er nahm die Gelegenheit wahr, an einem traditionellen Erntefest in Obrowo (1824) und an einem in Szafarnia (1825) teilzunehmen. Er lernte auch die polnische Volksmusik und den polnischen Volkstanz bei Hochzeiten in Bocheniec kennen. Er war nicht nur ein aufmerksamer Zuhörer, mit Vorliebe schloss er sich lokalen Musikerbands an, worüber er in seinem Brief an die Eltern vom 26. August 1825 berichtete: Nachdem ich zu einem verstauten Streichbogen gegriffen hatte, fing ich an, Basstöne zu spielen, ich spielte so toll, dass alle herbeikamen, sich die zwei spielenden Fritze anzuschauen, den einen, der Geige spielte und den anderen, der ein einsaitiges Streichinstrument fiedelte. Das Dobriner Land war in musikalischer Hinsicht durch die Musik von Kujawien geprägt. Innerhalb der Tanzmusik herrschten Kujawiaks vor, die wie die Mazurka im 3/4 Takt stehen und sich durch einen Tempowechsel, der von den Musikwissenschaftlern tempo rubato genannt wird, und eine typisch polnische lyrische Tonart auszeichnen. Chopins Mazurka lagen also in Wirklichkeit nicht etwa seine Inspirationen aus Masowien zugrunde, sondern Volksmusik des Dobriner Landes. Chopins Sommeraufenthalte bei den alten adligen Familien waren für den jungen Fritz auch eine Art Patriotismusschule. Bei der Familie Dziwanowski waren Erinnerungen an die Familienmitglieder lebendig, die am Kościuszko-Aufstand (1794) teilgenommen hatten. Zu ihnen gehörte u. a. der Held der Schlacht in der Schlucht bei Samossierra (1808), Jan Nepomucen Dziewanowski, der im Familiengedächtnis aufbewahrt wurde. Heute befindet sich in einem zu Beginn des 20. Jahrhunderts im eklektischen Stil errichteten Schloss ein Chopinzentrum. An der Stelle des Gutshofs in einem in sehr gutem Zustand erhaltenen Landschaftspark, der zu Chopins Zeiten angelegt wurde, gelegen, bietet es eine Daueraus­stellung zum Leben des Komponisten und veranstaltet regelmäßig Konzerte und Recitals sowie einmal im Jahr ein internationaler Chopin-Wettbewerb für junge Pianisten. Empfehlenswert ist auch der Besuch von Ortschaften, die an der Fryderyk-Chopin-Straße liegen und mit seinem Aufenthalt im Dobriner Land verbunden sind. Es sind hier Golub-Dobrzyń, Kikół, Obory, Płonne, Sokołowo und Ugoszcz zu nennen.

 

Ausflug aus Toruń: Fryderyk-Chopin-Straße (114 km). Von Toruń aus Richtung Warschau. Nach 21 km Obrowo (klassizistischer Gutshof und Parkanlage aus dem 19. Jahrhundert), nach 5 km Czernikowo (gotische Kirche aus dem 14. Jahrhundert), nach 9 km Kikół (klassizistisches Schloss von 1790, der Kikół-See mit einem Badestrand, zwischen Kikół und Zbójno unter Naturschutz gestellte Landschaft „Drumliny Zbójeńskie“ [Drumlins von Zbójno - Höhenrücken], nach 23 km Obory, in der barocken, reichlich ausgestatteten Karmeliterklosteranlage von Obory (17. Jh.) spielte Chopin 1824 Orgelkonzerte, hierin befindet sich eine Pieta aus dem 15. Jahrhundert; nach 5 km Ugoszcz (eklektisches Schloss aus dem 19. Jahrhundert), nach 8 km Radomin (die Geschichte dieses Dorfes ist seit dem 12. Jahrhundert belegt, romanische Kirche, in der Gotikzeit umgebaut), nach 5 km Płonne (gotische Kirche von 1402, später umgebaut, Obelisk zu Ehren von Jan Nepomucen Dziewanowski, dem Oberbefehlshaber der leichten Kavallerie (Chevaulegers) bei dem siegreichen Angriff in der Schlucht bei Samossierra von 1808, Naturschutzgebiet „Góra Modrzewiowa“ [Lärchenberg] mit 400 Jahre alten Lärchen, die die nördliche Grenze des Auftretens dieser Pflanzengattung dokumentieren. Eine große, polnische Schriftstellerin, Maria Dąbrowska (1889-1965) verbrachte in Płonne bei ihrer Schwester Helena Dąbrowska in den Jahren 1926-1928 die Sommerzeit. Sie schrieb damals an ihren Mann: „Ich fühle mich von der Natur hier, von den hiesigen Seen und Bächen angezogen und festgehalten. Dieser wunderbare Ort ist eine Art in sich geschlossenes Epos, das meinem fünften Buch, einem Dorfepos zugrunde liegen wird“. Dieses Vorhaben wurde tatsächlich mit der Abfassung des vierbändigen Romans (1932-1934) Nächte und Tage verwirklicht. In der Schule in Płonne wurde eine Maria-Dąbrowska-Gedächtnisstätte eingerichtet. Nach 4 km Szafarnia, nach 9 km Golub-Dobrzyń, in den Jahren 1815-1916 eine preußisch-russische Grenzstadt. Im Dobriner Teil klassizistische Kirche von 1823 mit einem wertvollen, gotischen Kreuz, im Goluber Teil eine Burg (1296-1309) an der Stelle einer frühmittelalterlichen Wehrsiedlung, gotische Kirche (1293-1350) mit kunststückreicher Innenausstattung, nach 5 km Sokołowo (eklektisches Schloss aus dem 19. Jahrhundert mit einem Landschaftspark, hierin Baumdenkmäler). Hier besuchte Fryderyk Chopin seinen guten Freund Jan Białobłocki. Von hier aus Rückkehr nach Toruń.

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